Hans Claßen

Der Schläfer im Tal

Das Tal, grün lichtumflirrt und übergossen,
Vom Fluß in trunk’nen Ufern glanzbeschäumt,
Bis prunkvoll helle Höhen Sonne säumt:
Das schmale Tal fließt strahlenüberflossen.

Ein Soldat, mit offnem Helm und Munde,
Schläft im Mittagsfunkeln duftumblaut,
Den Nacken bettet sanft Lavendelkraut;
Das junge Antlitz himmelwärts vom Grunde,

Fiel hingestreckt in Blüten wie ein Kind
Nach Fieberträumen fest er in den Schlummer
Und kalt, obwohl ihn Lüfte warm umschließen!

Kein Nasenflügel zuckt im duft’gen Wind;
Er ruht, rot lichtumflirrt die Hand auf stummer
Brust, aus der hinträufelnd Rosen sprießen.

Nach Arthur Rimbaud
Hans Claßen, 2006

 

Kerstin Mertenskötter, 2008

Der Schläfer im Tal

 

Frisches Grün gebirgsumwacht,

wo Sonnenschein Gewässer malt,

so silberfarben glanzbedacht,

das kleine Tal liegt hell erstrahlt.

 

Auf himmelfarb’nem Untergrund,

lavendelduftumwoben,

liegt ein Soldat mit offnem Mund.

Das Tal steht lichtdurchstoben.

 

Die kalten Füße sind ausgestreckt

Von purpurnen Gladiolen bedeckt

Die Haut scheint seltsam bleich.

 

Durch seine Nase geht kein Hauch,

Es ruht die Hand auf seinem Bauch.

Drei Löcher dort, gladiolengleich.

Arthur Rimbaud, 1870 

Le dormeur du val

C’est un trou de verdure où chante une rivière
Accrochant follement aux herbes des haillons
D’argent, où le soleil, de la montagne fière,
Lui ; c’est un petit val qui mousse de rayons.

Un soldat jeune, bouche oeverte, tete nue
Et la nuque baignant dans le frais cresson bleu,
Dort : il est étendu dans l’herbe, sous la nue,
Pale dans son lit vert où la lumière pleut.

Les pieds dans les glaieuls, il dort. Souriant comme
Sourirait un enfant malade, il fait un somme.
Nature, berce-le chaudement : il a froid !

Les parfums ne font pas frissonner sa narine ;
Il dort dans le soleil, la main sur sa poitrine
Tranquille. Il a deux trous rouges au coté droit.

http://www.weltbild.de/artikel.php?WEA=8002820&artikelnummer=12464575&mode=art&PUBLICAID=c0354fc879e32e640005fbf694a1e401

http://www.ixlibris.de/content/Gedichtbaende/classen_hans__mondlicht.htm

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