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Hans Claßen, Droste-Hülshoff-Museum (”Fürstenhäusle”) Meersburg; Caspar David Friedrich (1774 - 1840): Mönch am Meer   

           

Hans Claßen

                                                                                                                                                                Am Meer

 

Stumm übers Meer,

   Wie Windvisionen,

      Gehen die Glocken Vinetas.

  

Niemand vernimmt sie.

   Das Brausen der Brandung

      Vergräbt ihr Verwehen.  

 

Kein Wort aus den Wogen –

   Vergaß das Vergängnis

      Die Stimmen am Grund? 

Ins Polnische übertragen von Agnieszka Rzadca  

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Agnieszka Rzadca (*1986) und Hans Claßen, Caspar-David-Friedrich-Zentrum Greifswald 

 

Agnieszka Rzadca

 

Am Ufer

 

Wenn die gläserne Oberfläche einbricht

und er vom Ufer aus dir die Hand reicht,

dann versinke nicht in Gedanken.

 

Es ist nicht wichtig, ober der Himmel sich neigt

oder ob du von unten nach oben greifst.

Die Rettung ist die VerBindung.

 

 

Junge Kraniche …

                                                Für Hans Claßen

 

… sehen über den Feldern und Wäldern ein Umkehren.

Die Großen haben es gesagt.

Alles braucht seine Zeit.

Das Bleiben, das Fliegen und das “sich Erheben” in die Höhe.

Dort oben berührt ein Kosmos den anderen mit dem Finger.

Singt Lieder, schweigt und zeigt auf ohne störende Frequenzen,

denn die Alten breiten ihre Flügel über den Jungen aus

und ziehen mit ihnen selbst bei Gewitter an Hindernissen vorbei,

damit jene einen Blick werfen können auf die Blütezeit.

   

Foto: Agnieszka Rzadca

 

Hans Claßen

 

Glatt, ohne Risse …

 

Ricarda Huch zugeeignet

 

Perlmutt’ner Fäden fänden Astrologen

In Galaxien Planeten glatt bespannt,

Als hingen Augenblicke wie in Wogen 

Myriad’ner Ozeane ohne Land.  

 

Und fänden Schemen einer blassen Barke,  

Gebleicht von banger Nebelweltenschau,  

Vor Anker ohne Hafen und die Marke

Verhängter Heimkehr unbekannt im Blau.

  

Ein Fischschwarm aber tanzt wie vor Gestaden

Und rührt an der vergess’nen Erde Saum.

Da reißt türkis dem Augenblick der Faden.

Es wird das All … Dann wieder alles Raum.

 

                              

Aus (c): Mondlicht fiel auf Blütenstaub. Romantische Spuren, Frankfurt a. M. 2001

 

Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer

    

Nordseeabend

                                       Für Agnieszka  

 

Das Inselwatt verblaßt beim Meeresgrau

Wie Dämm’rung vor bedräuenden Reklamen

Von Kuttern, die am Strand vorüberkamen.

Der Nachtwind löste unflutbares Flau.

 

Matt klammert es an Rahe, Mast, und rauh

Streift Sturmlicht schwankend schwarz erwachte Fahnen.

Ins Branden stößt ein Möwenschrei wie Mahnen,

Verzerrt in fahler Schäume Ungenau …

 

        

Hans Claßen (*1953); Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)  

   

Rainer Maria Rilke

     

Vorfrühling 

   

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiesen aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung.

Zärtlichkeiten, ungenau,

    

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in dem leeren Baum.

      

   

Hans Claßen  

   

Vorfrühling

 

                        Eingedenk Rainer Maria Rilke 

 

Der Erde schweres Fallen wach begreifend …

    Die Hand, die fiel

        Und lange Briefe schrieb … 

 

Die durch Alleen getrieben, wandernd, reifend,

    Voll Zärtlichkeiten

        Nach der Erde greifend – 

 

Und unvermutet ihre Leere streifend –

    Mit ihr aus Bäumen

        In die Räume stieg …

                

           

Gedichte von Hans Claßen lesen:

     

“Literatur” (Rubrik oben auf der Seite) angeklickt, führt über “Gedichte” zu weiteren Gedichten von Hans Claßen. Darunter die Übertragung “Der Schläfer im Tal” des Arthur-Rimbaud-Sonetts “Le dormeur du val” sowie auch das Poem  “Am Meer” und dessen polnische Übertragung “Nad morzem” von Agnieszka Rzadca.           Gedichte   “Le dormeur du val”   “Am Meer” 

http://www.ixlibris.de/content/Gedichtbaende/classen_hans__mondlicht.htm