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Johanna Mett (*1993); Caspar David Friedrich (1774 - 1840): Mann und Frau, den Mond betrachtend                  

                                                                                                           

Johanna Mett                        

                                                                                                                                                              

Spiegel der weltlichen Magie                        

                                                                                                                                                               

Mit dieser Geschichte möchte ich dazu einladen, mich einen Augenblick zu begleiten. Ich möchte meine Welt den Erstarrten nahe bringen, die in der Zeit aus Hektik und Alltagsgrau vergessen, daß man nicht oberflächlich betrachten darf, um die Schönheit dieser Erde und des Lebens zu erkennen, welche durch den Sumpf von Neid, Haß und Egoismus nur schwer zu erreichen ist und von den Abgasen der industrialisiertenGesellschaft verhüllt wird. Es ist Zeit, die Augen zu schließen, in die Seele zu schauen und sie für die Freiheit zu öffnen, die in der Fantasie verborgen liegt. Ich öffne meine Augen und sehe die Morgensonne, die durch die Spalten der tiefroten Fensterläden Licht und Wärme in das Zimmer bringt. Ihre Strahlen lassen die winzigen Staubflocken in der Luft für mich sichtbar werden. Sie schweben tanzend umher, schließen sich keinerlei Ordnung an. Umschwirren einander, wie winzigkleine Feen, die sich am neugeborenen Tag erfreuen. Verschlafen blinzelnd, lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen, der auf der alten Uhr an der in einem hellen Pfirsichton gestrichenen Wand hängen bleibt. Ihre verschlungenen Zeiger weisen mich stumm darauf hin, daß es noch viel zu früh sei, um aufzustehen, jedenfalls zu früh für einen Menschen, der sich an keine Pflichten binden läßt. Ich schlage die blütenweiße Bettdecke zurück, die an den vom Sonnenlicht berührten Stellen zu leuchten beginnt, so daß ich kurz blinzeln muß. Die Staubflocken wirbeln umher. Ich stehe auf und spüre, wie meine nackten Füße den alten Holzboden berühren, der mir knirschend einen Bonjour wünscht.

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Hans Claßen, Droste-Hülshoff-Museum (”Fürstenhäusle”) Meersburg; Caspar David Friedrich (1774 - 1840): ”Der Morgen” und “Flußufer”  

           

Hans Claßen

 

Die Quelle

 

Im schönsten Wiesengrunde,

   Wo in den Dorfbach

      Die Quelle sprudelt …

 

Als im August neunundfünfzig

   Die Wasserleitung versiegt war

      Und wir hier Kannen füllten -

 

Mit dem Handkarren wieder

   Wie damals zur Quelle kommen!

      Im schönsten Wiesengrunde …

 

                                                                                                                                                                Am Meer

 

Stumm übers Meer,

   Wie Windvisionen,

      Gehen die Glocken Vinetas.

  

Niemand vernimmt sie.

   Das Brausen der Brandung

      Vergräbt ihr Verwehen.  

 

Kein Wort aus den Wogen –

   Vergaß das Vergängnis

      Die Stimmen am Grund? 

Ins Polnische übertragen von Agnieszka Rzadca  

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Agnieszka Rzadca (*1986) und Hans Claßen, Caspar-David-Friedrich-Zentrum Greifswald 

 

Agnieszka Rzadca

 

Am Ufer

 

Wenn die gläserne Oberfläche einbricht

und er vom Ufer aus dir die Hand reicht,

dann versinke nicht in Gedanken.

 

Es ist nicht wichtig, ober der Himmel sich neigt

oder ob du von unten nach oben greifst.

Die Rettung ist die VerBindung.

 

 

Junge Kraniche …

                                                Für Hans Claßen

 

… sehen über den Feldern und Wäldern ein Umkehren.

Die Großen haben es gesagt.

Alles braucht seine Zeit.

Das Bleiben, das Fliegen und das “sich Erheben” in die Höhe.

Dort oben berührt ein Kosmos den anderen mit dem Finger.

Singt Lieder, schweigt und zeigt auf ohne störende Frequenzen,

denn die Alten breiten ihre Flügel über den Jungen aus

und ziehen mit ihnen selbst bei Gewitter an Hindernissen vorbei,

damit jene einen Blick werfen können auf die Blütezeit.

   

Foto: Agnieszka Rzadca

 

Hans Claßen

 

Glatt, ohne Risse …

 

Ricarda Huch zugeeignet

 

Perlmutt’ner Fäden fänden Astrologen

In Galaxien Planeten glatt bespannt,

Als hingen Augenblicke wie in Wogen 

Myriad’ner Ozeane ohne Land.  

 

Und fänden Schemen einer blassen Barke,  

Gebleicht von banger Nebelweltenschau,  

Vor Anker ohne Hafen und die Marke

Verhängter Heimkehr unbekannt im Blau.

  

Ein Fischschwarm aber tanzt wie vor Gestaden

Und rührt an der vergess’nen Erde Saum.

Da reißt türkis dem Augenblick der Faden.

Es wird das All … Dann wieder alles Raum.

 

                              

Aus (c): Mondlicht fiel auf Blütenstaub. Romantische Spuren, Frankfurt a. M. 2001

 

Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer

    

Nordseeabend

                                       Für Agnieszka  

 

Das Inselwatt verblaßt beim Meeresgrau

Wie Dämm’rung vor bedräuenden Reklamen

Von Kuttern, die am Strand vorüberkamen.

Der Nachtwind löste unflutbares Flau.

 

Matt klammert es an Rahe, Mast, und rauh

Streift Sturmlicht schwankend schwarz erwachte Fahnen.

Ins Branden stößt ein Möwenschrei wie Mahnen,

Verzerrt in fahler Schäume Ungenau …

 

        

Hans Claßen (*1953); Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)  

   

Rainer Maria Rilke

     

Vorfrühling 

   

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiesen aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung.

Zärtlichkeiten, ungenau,

    

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in dem leeren Baum.

      

   

Hans Claßen  

   

Vorfrühling

 

                        Eingedenk Rainer Maria Rilke 

 

Der Erde schweres Fallen wach begreifend …

    Die Hand, die fiel

        Und lange Briefe schrieb … 

 

Die durch Alleen getrieben, wandernd, reifend,

    Voll Zärtlichkeiten

        Nach der Erde greifend – 

 

Und unvermutet ihre Leere streifend –

    Mit ihr aus Bäumen

        In die Räume stieg …

                

           

Gedichte von Hans Claßen lesen:

     

“Literatur” (Rubrik oben auf der Seite) angeklickt, führt über “Gedichte” zu weiteren Gedichten von Hans Claßen. Darunter die Übertragung “Der Schläfer im Tal” des Arthur-Rimbaud-Sonetts “Le dormeur du val” sowie auch das Poem  “Am Meer” und dessen polnische Übertragung “Nad morzem” von Agnieszka Rzadca.           Gedichte   “Le dormeur du val”   “Am Meer” 

http://www.ixlibris.de/content/Gedichtbaende/classen_hans__mondlicht.htm