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Johanna Mett, Kerstin Mertenskötter, Katharina Laukemper, Leina Wald

 

Das Gedicht dieser Woche: 

 

Johanna Mett (*1993)

  

Se(e)hnsuchstsblicke

 

Auf nassen Dünen, Blick ins Leere,

Nebel ergreift mit gespenstischer Hand

die See und auch dahinter das Land.

Und mein Herz erfüllt von schmerzender Schwere

zerrinnt, wie aus den Händen der Sand.

 

Kalter Regen tropft mir aus den Haaren.

Schemenhaft weit fort der Leuchtturm blinkt,

in mir, wie so oft, die Hoffnung entspringt.

Er wacht schon seit sehr vielen Jahren,

gibt acht, daß kein Schiff vor den Felsen versinkt.

 

Ob er es wohl auch vermag,

dir bei deiner Rückkehr beizustehn?

Die Stunde, in der wir uns wiedersehn,

voller Sehnsucht erwart’ ich diesen Tag.

Daß du fortgingst, konnt’ ich nie verstehn.

 

Wie die Wellen das Wasser an den Strand,

so trägt der Wind ihr Rauschen zu mir.

Auch Schritte eilen in hastender Gier

mit knirschenden Sohlen durch den Sand.

Es ist, daß ich den Verstand verlier’.

 

Denn eine Gestalt durchbricht jetzt die Nebelwand.

Sie trägt die Uniform von dir.    

 

   

 Kerstin Mertenskötter (geb. 1986) 

 

Libellenflügelschlag

 

Libellenflügelschlag

in der Luft am See

bei dir im Ufergrün.

Himmel oben, Himmel unten.

 

Flügelschlag Libellen

in der Luft am See

neben dir im Ufergrün.

Himmel oben, Erde unten.

 

Schlag Libellenflügel

in der Luft am See

neben dir im Ufergrün.

Himmel oben, Hölle unten.

   

Der Schläfer im Tal

   Nach Arthur Rimbaud: Le dormeur du val

 

Frisches Grün gebirgsumwacht,

wo Sonnenschein Gewässer malt,

so silberfarben glanzbedacht,

das kleine Tal liegt hell erstrahlt.

 

Auf himmelfarb’nem Untergrund,

lavendelduftumwoben,

liegt ein Soldat mit offnem Mund.

Das Tal steht lichtdurchstoben.

 

Die kalten Füße sind ausgestreckt

Von purpurnen Gladiolen bedeckt

Die Haut scheint seltsam bleich.

 

Durch seine Nase geht kein Hauch,

Es ruht die Hand auf seinem Bauch.

Drei Löcher dort, gladiolengleich.

   Arthur Rimbaud

 

Le dormeur du val

C’est un trou de verdure où chante une rivière
Accrochant follement aux herbes des haillons
D’argent, où le soleil, de la montagne fière,
Lui ; c’est un petit val qui mousse de rayons.

Un soldat jeune, bouche oeverte, tete nue
Et la nuque baignant dans le frais cresson bleu,
Dort : il est étendu dans l’herbe, sous la nue,
Pale dans son lit vert où la lumière pleut.

Les pieds dans les glaieuls, il dort. Souriant comme
Sourirait un enfant malade, il fait un somme.
Nature, berce-le chaudement : il a froid !

Les parfums ne font pas frissonner sa narine ;
Il dort dans le soleil, la main sur sa poitrine
Tranquille. Il a deux trous rouges au coté droit.

   

    

Katharina Laukemper (*1994)

 

Lächeln

 

Lächeln,

ein Zeichen für Glück.

Lächeln,

ein Zeichen für Erleichterung.

Lächeln,

ein Zeichen für einen Neuanfang.

 

Lächeln,

ein Zeichen der Freude.

Lächeln,

ein Zeichen der Freunde.

Lächeln,

ein Zeichen für einen Neuanfang.

 

Lächeln,

ein Herz wird warm.

  

   

carmen.jpg   Leina Wald (geb. 1981) 

 

I’m the wild orchid

in the graveyard

of dreamers

 

I’m the turquoise butterfly

in the dark woods

of nightmares

 

I’m

the breeze of romance

the ghost of a smile

 

A touch of mortality 

 

 

Hans Claßen

 

Für Leina Wald

Nach: I’m the wild orchid

 

Orchidee, wild zwischen

Der Traumgärten

Grabhügeln gewachsen -

 

Türkisgrüner Schmetterling, 

Schimmernd im Waldschwarz

Des Nachtgesichts -

 

Im Wehn der Romantik

Des Lächelns Widerschein.

Berührung, verlangt von Zerbrechlichkeit -

 

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