Weitere Gedichte von Hans Claßen und Agnieszka Rzadca
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Agnieszka Rzadca (*1986) und Hans Claßen, Caspar-David-Friedrich-Zentrum Greifswald
Agnieszka Rzadca
Am Ufer
Wenn die gläserne Oberfläche einbricht
und er vom Ufer aus dir die Hand reicht,
dann versinke nicht in Gedanken.
Es ist nicht wichtig, ober der Himmel sich neigt
oder ob du von unten nach oben greifst.
Die Rettung ist die VerBindung.
Junge Kraniche …
Für Hans Claßen
… sehen über den Feldern und Wäldern ein Umkehren.
Die Großen haben es gesagt.
Alles braucht seine Zeit.
Das Bleiben, das Fliegen und das “sich Erheben” in die Höhe.
Dort oben berührt ein Kosmos den anderen mit dem Finger.
Singt Lieder, schweigt und zeigt auf ohne störende Frequenzen,
denn die Alten breiten ihre Flügel über den Jungen aus
und ziehen mit ihnen selbst bei Gewitter an Hindernissen vorbei,
damit jene einen Blick werfen können auf die Blütezeit.
Foto: Agnieszka Rzadca
Hans Claßen
Glatt, ohne Risse …
Ricarda Huch zugeeignet
Perlmutt’ner Fäden fänden Astrologen
In Galaxien Planeten glatt bespannt,
Als hingen Augenblicke wie in Wogen
Myriad’ner Ozeane ohne Land.
Und fänden Schemen einer blassen Barke,
Gebleicht von banger Nebelweltenschau,
Vor Anker ohne Hafen und die Marke
Verhängter Heimkehr unbekannt im Blau.
Ein Fischschwarm aber tanzt wie vor Gestaden
Und rührt an der vergess’nen Erde Saum.
Da reißt türkis dem Augenblick der Faden.
Es wird das All … Dann wieder alles Raum.
Aus (c): Mondlicht fiel auf Blütenstaub. Romantische Spuren, Frankfurt a. M. 2001

Caspar David Friedrich: Mondaufgang am Meer
Nordseeabend
Für Agnieszka
Das Inselwatt verblaßt beim Meeresgrau
Wie Dämm’rung vor bedräuenden Reklamen
Von Kuttern, die am Strand vorüberkamen.
Der Nachtwind löste unflutbares Flau.
Matt klammert es an Rahe, Mast, und rauh
Streift Sturmlicht schwankend schwarz erwachte Fahnen.
Ins Branden stößt ein Möwenschrei wie Mahnen,
Verzerrt in fahler Schäume Ungenau …
Hans Claßen (*1953); Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)
Rainer Maria Rilke
Vorfrühling
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Hans Claßen
Vorfrühling
Eingedenk Rainer Maria Rilke
Der Erde schweres Fallen wach begreifend …
Die Hand, die fiel
Und lange Briefe schrieb …
Die durch Alleen getrieben, wandernd, reifend,
Voll Zärtlichkeiten
Nach der Erde greifend –
Und unvermutet ihre Leere streifend –
Mit ihr aus Bäumen
In die Räume stieg …
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