

Agnieszka Rzadca und Hans Claßen
Agnieszka Rzadca
Am Ufer
Wenn die gläserne Oberfläche einbricht
und er vom Ufer aus dir die Hand reicht,
dann versinke nicht in Gedanken.
Es ist nicht wichtig, ober der Himmel sich neigt
oder ob du von unten nach oben greifst.
Die Rettung ist die VerBindung.
Junge Kraniche …
Für Hans Claßen
… sehen über den Feldern und Wäldern ein Umkehren.
Die Großen haben es gesagt.
Alles braucht seine Zeit.
Das Bleiben, das Fliegen und das “sich Erheben” in die Höhe.
Dort oben berührt ein Kosmos den anderen mit dem Finger.
Singt Lieder, schweigt und zeigt auf ohne störende Frequenzen,
denn die Alten breiten ihre Flügel über den Jungen aus
und ziehen mit ihnen selbst bei Gewitter an Hindernissen vorbei,
damit jene einen Blick werfen können auf die Blütezeit.

Foto: Agnieszka Rzadca
Hans Claßen
Glatt, ohne Risse …
Ricarda Huch zugeeignet
Perlmutt’ner Fäden fänden Astrologen
In Galaxien Planeten glatt bespannt,
Als hingen Augenblicke wie in Wogen
Myriad’ner Ozeane ohne Land.
Und fänden Schemen einer blassen Barke,
Gebleicht von banger Nebelweltenschau,
Vor Anker ohne Hafen und die Marke
Verhängter Heimkehr unbekannt im Blau.
Ein Fischschwarm aber tanzt wie vor Gestaden
Und rührt an der vergess’nen Erde Saum.
Da reißt türkis dem Augenblick der Faden.
Es wird das All … Dann wieder alles Raum.
Früher Abend
Am violetten Abendhorizont
Schwinden im Herbstlicht
Die Tagesfarben.
Auf der Höhe der alte Weg,
Dunstig das Dorf
Versunken im Tale -
Nur der Kraniche Flug
Wissend über dem Wald,
Schrille Mauer des Schweigens.

C. D. Friedrich, Gebirgige Flußlandschaft
Zwölf Sonette an Euphorion: Siebtes Sonett
Der Nachtwind spiegelte die Wasser schwarz.
In Brunnen schien ihr Spiegel noch so rein
Wie nach der Kelter klar gereifter Wein.
Sank fahl ihr Licht dahin: Der Grund bewahrt ’s.
So fließt ein Strom voll duft’gen Waldes Harz -
Mit trunk’nem Purpurflor im späten Schein
Der Sonne rauschig funkelnd - an den Rain
Der dumpfen Fluren Ufer, wie aus Quarz.
Da rauschte auf ein Quell. Im schwarzen Grunde
Ihn zu fassen, richt’ das Auge schnell!
Bald wäre wohl dein Bild darin zu sehn.
Du wärst im Grunde selber gar der Quell
Und fühltest, rinnend schon durch Raum und Stunde,
Dein Spiegelbild im Schwanken und Verwehn …
Aus (c): Mondlicht fiel auf Blütenstaub. Romantische Spuren, Frankfurt a. M. 2001
Nordseeabend
Für Agnieszka
Das Inselwatt verblaßt beim Meeresgrau
Wie Dämm’rung vor bedräuenden Reklamen
Von Kuttern, die am Strand vorüberkamen.
Der Nachtwind löste unflutbares Flau.
Matt klammert es an Rahe, Mast, und rauh
Streift Sturmlicht schwankend schwarz erwachte Fahnen.
Ins Branden stößt ein Möwenschrei wie Mahnen,
Verzerrt in fahler Schäume Ungenau …
Gedichte von Hans Claßen lesen:

“Literatur” (Rubrik oben auf der Seite) angeklickt, führt über “Gedichte” zu weiteren Gedichten von Hans Claßen. Darunter die Übertragung “Der Schläfer im Tal” des Arthur-Rimbaud-Sonetts “Le dormeur du val” sowie auch das Poem “Am Meer” und dessen polnische Übertragung “Nad morzem” von Agnieszka Rzadca. Gedichte “Le dormeur du val” “Am Meer”
http://www.ixlibris.de/content/Gedichtbaende/classen_hans__mondlicht.htm
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